Projektmanagement-Tools im Vergleich: Jenseits von Jira
Wer als Teammitglied in IT-Projekten arbeitet, kennt die Werkzeuge, die einem im Alltag begegnen. In klassisch geführten Projekten entsteht bereits in der Angebotsphase ein detaillierter Projektplan — Arbeitspakete, Meilensteine, Abhängigkeiten, alles durchkalkuliert und terminiert. Der Projektleiter pflegt sein Gantt-Chart, das Team arbeitet Aufgaben in definierter Reihenfolge ab. Das funktioniert, solange sich die Anforderungen nicht grundlegend ändern.
In agilen Projekten läuft das anders. Es gibt kein fertig durchgeplantes Gantt-Chart zu Beginn, sondern ein priorisiertes Backlog, Sprints und regelmäßige Anpassungen. Die Planung findet iterativ statt, die Details entstehen kurz vor der Umsetzung. Für Teams, die in kurzen Zyklen liefern, ist das ein enormer Vorteil — für Stakeholder, die einen verbindlichen Zeitplan erwarten, zunächst eine Umstellung.
Frameworks wie SAFe (Scaled Agile Framework) schlagen hier eine Brücke. Sie bringen Planbarkeit in agile Strukturen zurück, ohne die Flexibilität komplett aufzugeben. Program Increments schaffen teamübergreifende Synchronisationspunkte, PI Planning gibt allen Beteiligten einen gemeinsamen Zeithorizont. So entsteht ein planbarer Rahmen, der auch in größeren Organisationen funktioniert — ohne in die Starrheit klassischer Wasserfallplanung zurückzufallen.
Die Werkzeuglandschaft: Komplex muss nicht sein
In der Praxis dominieren Werkzeuge wie Jira, ClickUp oder Projektron die Projektlandschaft. Sie sind mächtig, keine Frage. Aber sie sind auch komplex, lizenzpflichtig und in vielen Fällen deutlich mehr, als ein Team tatsächlich braucht. Nicht jedes Unternehmen benötigt das vollständige Feature-Set eines Enterprise-Tools — und nicht jedes Budget gibt das her.
Im Rahmen einer Weiterbildung bin ich wieder intensiver mit dem Thema Projektmanagement in Berührung gekommen und habe die aktuelle Open-Source-Landschaft genauer betrachtet. Was sich dort in den letzten Jahren getan hat, ist bemerkenswert. Es gibt heute vollwertige Alternativen, die methodisch breit aufgestellt sind und keine Lizenzkosten verursachen.
OpenProject: Ein unterschätzter Allrounder aus Berlin
OpenProject ist eine Open-Source-Projektmanagement-Software eines Berliner Unternehmens. Was sofort auffällt, ist die methodische Breite: SAFe, OKR, PMflex, PRINCE2 und PM² werden als Projektmethoden unterstützt. Das ist ungewöhnlich für ein Open-Source-Tool und deckt sowohl klassische als auch agile Ansätze ab.
Die Community Edition bietet bereits Work Packages mit Hierarchien und Abhängigkeiten, Gantt-Charts für die Timeline-Visualisierung, Custom Fields für eigene KPIs und Metriken, eine vollständige REST API (v3), Wiki-Dokumentation sowie unbegrenzte Nutzer und Projekte. Wer klassisches Projektmanagement mit Gantt-Charts und strukturierten Arbeitspaketen betreibt, findet hier ein ausgereiftes Werkzeug. Für agile Boards (Kanban, Scrum) greift allerdings die kostenpflichtige Enterprise-Version — ein Punkt, den man bei der Evaluierung berücksichtigen sollte.
Plane: Die moderne Alternative
Plane (plane.so) hat sich als eine der interessantesten Neuentwicklungen im Open-Source-Bereich etabliert. Mit rund 40.000 GitHub-Stars und aktiver Entwicklung bietet es ein Feature-Set, das in der Self-Hosted-Variante vollständig kostenfrei nutzbar ist.
Kanban Boards sind ohne Einschränkungen verfügbar, dazu kommen Sprint Planning mit Burn-down Charts, Module für die Strukturierung von Arbeitspaketen, Custom Views mit flexiblen Filtern, Analytics und Insights, eine REST API für Automatisierung und Integration sowie eine moderne, responsive Oberfläche, die auch auf mobilen Geräten gut funktioniert.
Plane positioniert sich als direkte Alternative zu Jira und Linear — mit dem Unterschied, dass alle Features in der Self-Hosted-Version verfügbar sind. Die Oberfläche wirkt zeitgemäß und aufgeräumt, was die Akzeptanz im Team erleichtert.
Taiga: Der Agile-Spezialist
Taiga (taiga.io) habe ich selbst im Startup-Umfeld kennengelernt, eingeführt durch eine Scrum Masterin. Es ist auf agile Methoden spezialisiert und bietet Scrum- und Kanban-Boards, Sprint Planning mit Velocity Tracking, Backlog Management, eine gut dokumentierte REST API sowie Integrationen mit GitHub und GitLab.
In der Self-Hosted-Variante gibt es keine Feature-Beschränkungen. Taiga eignet sich besonders für Teams, die konsequent nach Scrum arbeiten und ein fokussiertes Werkzeug ohne Overhead suchen.
Leantime: Strategische Planung im Fokus
Leantime (leantime.io) verfolgt einen anderen Ansatz. Neben den üblichen Kanban-Boards und Aufgabenverwaltung bietet es eingebautes OKR- und Goal-Management, Lean Canvas und SWOT-Analyse, Retrospektiven und Idea Management sowie ein bewusst auf Zugänglichkeit optimiertes UX-Design.
Für Freelancer und kleine Teams, die neben dem operativen Tagesgeschäft auch strategische Produktentwicklung betreiben, ist dieser Ansatz interessant. Die Verbindung von strategischer Planung (OKR, Lean Canvas) mit operativer Aufgabenverwaltung in einem Werkzeug spart den Wechsel zwischen verschiedenen Tools.
Planka: Einfachheit als Prinzip
Planka (planka.app) ist die schlankste Lösung in diesem Vergleich. Unbegrenzte Boards und Cards, Echtzeit-Synchronisation, eine moderne Oberfläche und eine sehr einfache Installation — mehr braucht es für viele Anwendungsfälle nicht. Wer primär eine visuelle Aufgabenverwaltung mit Kanban-Boards sucht, ohne sich mit komplexer Konfiguration auseinanderzusetzen, findet hier einen schnellen Einstieg.
Redmine: Der Klassiker
Redmine (redmine.org) verdient eine Erwähnung als Urgestein der Open-Source-Projektverwaltung. Seit über zehn Jahren im Einsatz, bietet es Multi-Projekt-Support, Gantt-Charts, Zeiterfassung und hunderte verfügbare Plugins. Die Oberfläche wirkt nicht mehr zeitgemäß, aber das Tool ist stabil und erprobt. In manchen Organisationen läuft es seit Jahren zuverlässig und erfüllt seinen Zweck.
Vergleich auf einen Blick
| Tool | Kanban/Boards | OKR | Gantt/Timeline | API | Moderne UI |
|---|---|---|---|---|---|
| OpenProject | eingeschränkt | ✔ | ✔ | ✔ | ○ |
| Plane | ✔ | ✔ | ✔ | ✔ | ✔ |
| Taiga | ✔ | ○ | ○ | ✔ | ✔ |
| Leantime | ✔ | ✔ | ○ | ✔ | ✔ |
| Planka | ✔ | ○ | ○ | ✔ | ✔ |
| Redmine | über Plugins | ○ | ✔ | ✔ | ○ |
✔ = vollständig verfügbar · ○ = eingeschränkt oder über Workarounds · „eingeschränkt" = nur in bestimmten Editionen
Der eigentliche Punkt
Man kommt bei der Beschäftigung mit diesen Werkzeugen unweigerlich dazu, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen. Die lose TODO-Liste wird zur priorisierten Aufgabenliste, vielleicht zu einem persönlichen Kanban-Board. Wer neben dem Dienstleistergeschäft eigene Produktideen verfolgt, findet in OKR-Strukturen einen Rahmen, der strategische Ziele mit konkreten Ergebnissen verknüpft.
Die technische Hürde für den Einstieg ist heute niedrig. Alle genannten Tools lassen sich per Docker in wenigen Minuten aufsetzen und bieten REST APIs für Automatisierung und Integration. Jira ist nach wie vor ein leistungsfähiges Werkzeug — aber es ist nicht die einzige Option, und für viele Teams auch nicht die passendste.
Veröffentlicht: Februar 2026 · Feedback und Fragen willkommen!